Diagnose: Krebs
Sonntag, 26. April, 2009

Eine Diagnose, die man besser nie hören will, oder am besten die Augen verschließen möchte. Trotz allem kommen viele nicht umhin.
Statistiken besagen, dass z.B. jeder 2. Hund über 10 Jahre in Folge eines bösartigen Tumors stirbt, also 50%!
Das deckt sich ungefaehr mit meiner gefühlten Erfahrung der letzten Jahre.
Worum es mir eigentlich geht, ist die Tatsache, dass leider solche Diagnosen viel zu spät erkannt werden. Das hat vielerlei Gründe. Zum Einen zeigen Hunde aufgrund ihres Instinktes Schmerzen relativ selten, da ein krankhaftes Tier in der Regel vom Rudel ausgeschlossen wird und zum Anderen liegt die Schmerzgrenze bei einigen Rassen noch um ein deutliches höher.
Aus eigener leidvoller Erfahrung kann ich nur sagen: Hören Sie auf Ihren Hund. Wenn Sie das Gefühl haben, dass etwas nicht stimmt, dann geben sie lieber einmal zuviel Geld beim Tierarzt aus, als einmal zuwenig. Und holen Sie sich notfalls lieber noch die Meinung eines zweiten oder sogar dritten Tierarztes ein, wenn Sie mit der Untersuchung oder dem Ergebnis nicht zufrieden waren.
Die Diagnose Krebs kam am Samstag. Erste Wesensänderung stellte ich allerdings bereits vor einem Jahr fest. Da zu diesem Zeitpunkt eine recht große Operation am Hund durchgeführt wurde, brachte man das natürlich erst einmal in Zusammenhang. In den letzten Wochen verschlimmerte sich der Zustand beinahe täglich, wobei Aussenstehende das Problem hatten, es dem Hund nicht anzusehen.
Tierarztbesuche bei insgesamt 4 Tierärzten in Karlsruhe und Umgebung brachten lediglich “Standarddiagnosen” zutage. Es wurde ein großes Blutbild gemacht, woraufhin eine Schilddrüsenunterfunktion festgestellt wurde, es wurde eine Computertomographie gemacht, wobei lediglich eine “kleine Verengung im hinteren Wirbelsäulenkanal” diagnostiziert wurde. Der Hund wurde neurologisch untersucht, ohne Befund und und und.
In 5 Wochen summierten sich die Ausgaben bei den diversen Tierärzten auf 2000 Euro. Zufrieden war ich mit keinem Ergebnis, da sich trotz Schmerzmedikamente der Zustand insbesondere in der letzten Woche dramatisch verschlechterte. Allerdings auch nicht für Aussenstehende unbedingt sichtbar.
Seine letzte Vollnarkose bekam der Hund am Donnerstag, als die CT durchgeführt wurde. In der Nacht ging es im logischerweise aufgrund der Narkotika nicht besonders. Erst in der Nacht von Freitag auf Samstag war mir klar, dass die Untersuchungen allesamt falsch waren und der Hund etwas völlig anderes haben muss. So bin ich mit ihm dann schlussendlich in die Tierklinik nach Weingarten gefahren, unter anderem deswegen, weil sie noch bis 12 Uhr geöffnet hatten. Nachdem ich ca 30 Minuten lang erklärt habe, welche Oddysee ich mit dem Hund schon hinter mich gebracht habe, kam es zu Untersuchung. Auch hier wurde zuerst neurologisch alles abgecheckt und festgestellt, dass er wahrscheinlich Schmerzen in der Halswirbelsäule hätte. Da allerdings die komplette Wirbelsäule per CT untersucht wurde, liess ich nicht locker und fragte, ob die Tierärztin denn per Untersuchung auf einem schnellen Weg herausfinden kann, ob man zumindest andere körperliche Erkrankungen wie Tumore ausschließen kann.
Daraufhin musste das arme Tierchen auf die Bank zum Röntgen. Hier wurde von vorn bis hinten alles teilweise sogar mehrmals geröntgt.
Tja und dann war sie da, die Diagnose Krebs. Es hatte sich unterhalb des Herzens ein Tumor in ungefähr gleicher Größe gebildet, der natürlich stark auf das Herz drückte. Gleichzeitig gab es über dem Herz und in der Leberregion auch Stellen, die man mit Metastasen erklären konnte, aber alleine für sich so erstmal nichts hätte dazu sagen können. Nur das Gesamtbild war entscheidend und hat letzten Endes eine 100%ige Diagnose zugelassen. Operabel war das nicht mehr und die Tierärztin drängte auf sofortige Erlösung im Sinne des armen Hundes. Ein ganz schwerer Schritt…
Schlussendlich drängt sich bei mir die Frage auf, wieso die anderen Tierärzte derart lapidar damit umgehen, wenn man als Tierbesitzer zu Ihnen kommt und sagt: ICH HABE EIN GANZ SCHLECHTES GEFÜHL!
Egal ob Betriebsblindheit, Unwissenheit oder sonstiges, so etwas kann man nicht verstehen und auf gar keinen Fall gutheißen. Wieso muss man eine Irrfahrt zwischen diversen Tierärzten und -kliniken hinter sich bringen, eine Stange Geld bezahlen, um danach heraus zu gehen schon mit dem Gefühl im Bauch, dass sie unrecht hatten.
Fairerweise muss man sagen, selbst wenn die Diagnose vor 5 Wochen gekommen wäre, man hätte es auch da nicht operieren können. Hätte man aber erste Warnsignale vor einem Jahr nicht überhört, dann hätte vielleicht eine kleine Chance bestanden. Wäre die Untersuchung beim ersten Mal richtig und komplett gemacht worden, hätte man dem Hund zumindest die weiteren Untersuchungen ersparen und sein eigenes Nervenkostüm nicht unnötig strapazieren müssen.
Geben Sie also nicht klein bei, wenn Sie der Meinung sind, ihrem Haustier geht es nicht gut. Wer sein Tier über Jahre hinweg kennengelernt hat, der weiß und spürt, wenn etwas nicht ok ist. Natürlich muss man nicht immer mit dem Schlimmsten rechnen, aber gerade wenn es nunmal doch zu einer schlimmen Diagnose kommen sollte, dann zählt wirklich jeder Tag, auch im Sinne des Tieres.
Die Tierklinik in Weingarten hat sich hierbei im Übrigen als sehr kompetent herausgestellt. Vielen Dank noch an dieser Stelle, für die Untersuchung und den nachfolgenden schwerwiegenden und sehr traurigen Schritt.
Mit Akido ging das treue, aufmerksame und von vielen geliebte Maskottchen der Nellys Futterkiste in Weiherfeld von uns. Er wurde leider auf den Monat genau nur 9 Jahre alt.
Akido war für uns nicht nur ein simples Haustier. Er war ein charakterstarker, sehr intelligenter, imposanter und sensibler Lebensgefährte und hinterlässt damit auch eine sehr große Lücke.
Als verantwortungsvoller Tierbesitzer ging es ihm aber diese 9 Jahre wirklich hervorragend, es fehlte ihm an nichts und er hat sehr sehr viel Freude, manches Mal natürlich auch Leid gebracht, aber er wird immer einen Riesenplatz in unserem Herzen reserviert haben.
Ruhe sanft!
Du kannst Tränen vergießen, weil er gegangen ist. Oder Du kannst lächeln, weil er gelebt hat. Du kannst die Augen schließen und beten, dass er wiederkehrt. Oder Du kannst die Augen öffnen und all das sehen, was er hinterlassen hat.
Ergänzung 28.04.09:
Vielen Dank für die lieben Beileidsbekundungen per eMail. Ich möchte noch ein paar Dinge anführen, die mir in den letzten Tagen während der Trauer durch den Kopf gingen:
Viele Fehldiagnosen oder unterlassene aussagekräftige Diagnosen wurden rückblickend in den vergangenen 9 Jahren gemacht.
Akido litt zeitlebens an einer Futtermittelallergie, von der ich bis heute nicht genau weiss, was schlussendlich der Auslöser war. Er hatte besonders in den Anfangsjahren immer wieder Entzündungen zwischen den Fußballen oder leckte sich die Vorderpfoten oder -beine wund. Hier wurde mir im Frühling erklärt, das liege an den Pollen, im Winter will es kurioserweise das Streusalz gewesen sein. Er war lange Zeit immer wieder von Durchfällen geplagt, was manchmal mit “einer Krankheit, die gerade in Karlsruhe umgeht” oder sonstigen Infekten erklärt wurde.
Erst eine lange Zeit des Ausprobierens verschiedener Futter brachte eine deutliche Besserung zu Tage, bis hin zum Barfen in seinem letzten Lebensjahr.
Ab dem Jahr 2006 fiel mir auf, wie Akidos Beschützerinstinkt zusehends stärker wurde. Keine Grundaggressivität, aber schon deutliche Zeichen von plötzlichen Übergriffen gegenüber Menschen und Hunden in diversen Schrecksekunden. Diese Anzeichen gab es vorher nie! Akido war nahezu perfekt erzogen, was auch oft durch viel Lob von Aussenstehenden zur Kenntnis genommen wurde.
Aufgrund diverser Vorfälle wurde der Hund bereits im Sommer 2006 durchgecheckt, weil dieses Verhalten auf körperliche Probleme rückschließen ließ. Hier wurde eine erste Computertomographie durchgeführt und Röntgenaufnahmen erstellt, allerdings leider nur vom Wirbelsäulenbereich. Ohne Befund.
Man selbst erklärte es sich mit Dingen wie Umzug oder anderen geänderten Lebensbedingungen meinerseits, was durchaus diese sensible Rasse durcheinander hätte bringen können.
Im Jahr 2008 suchte ich Unterstützung bei einer Hundetrainerin von Lunas Pfotenzeit, eine wirklich bemerkenswerte Hundeschule hier im Umkreis, die selbst mir mit meiner Erfahrung Dinge erläuterte und hinterfragte, wie man es sich von einer guten Trainerin erhoffen darf und sollte. Auch hier wurde aufgrund der angesprochenen Aggression hinterfragt, ob der Hund gesundheitlich durchgecheckt wurde, direkt beim ersten Beratungsgespräch. Da ich davon überzeugt war, dass aufgrund des Röntgens und der CT aus 2006, es dem Hund körperlich gut gehen würde, konnte ich die Frage mit ruhigem Gewissen bejahen. Ein Trugschluß, wie sich jetzt im Nachhinein herausgestellt hat.
Ende 2008 musste ich nachts eine Tierklinik aufsuchen, weil sich Akido ständig erbrochen hatte und zum Schluss sogar Blut im Erbrochenen war. Auch hier wurde nichts festgestellt. Tabletten und eine Spritze waren das Einzige was er bekam. Jetzt ist mir klar, dass er schon zu diesem Zeitpunkt versucht hatte den Fremdkörper loszuwerden :(
Heute kann ich guten Gewissens sagen, dass die aufgetretenen aggressiven Handlungen weder an der Rasse lagen, noch an der Erziehung und auch nicht an Problemen des Umzuges im Jahr 2006 lagen, sondern einzig und allein durch die körperlichen Probleme herrührten.
Viele schüttelten in den letzten Tagen den Kopf, waren selbst fassungslos, als sie diese Geschichte zu hören bekamen und auch bin bin jetzt noch entsetzt und traurig über diese Umstände.
Jedenfalls hat mich das einige Dinge gelehrt.
Man sollte seinem Tierarzt nicht zu 100% vertrauen, auch nicht drei Tierärzten.
Einen Tierarzt, von welchem ich diese Floskel “das kann nur Dieses oder Jenes sein, das tritt hier in der Umgebung gerade auf” oder “das kann nur Dieses sein, das hat mein Hund auch gerade” würde und werde ich in Zukunft meiden wie nichts anderes auf dieser Welt.
Wenn ich irgendwann wieder feststellen müsste, mein Tierarzt behandelt nur Symptome ohne konkret die Ursache zu hinterfragen und jene zweifelsfrei festzustellen, wäre dies ebenso mein letzter Besuch bei ebendiesem.
Tierärzte verdienen unser sauer erabeitetes und hart erspartes Geld und dann darf ein jeder erwarten, dass mit diesem Geld verantwortungsvoll umgegangen wird und man sich 100% auf den Tierarzt verlassen kann.
Man wiegt sich leider viel zu schnell in trügerischer Sicherheit, vor allem dann, wenn man selbst schon skeptisch war und dann ungeschickterweise auf eine ganze Reihe Tierärzte stößt, die eher den Titel Spritzen- und Tablettenverschreiber verdient hätten.
An die Unsummen, die die verschiedenen Tierärzte in den 9 Jahren seines Lebens eingenommen haben, darf ich rückblickend gar nicht denken und es gibt leider nur genau einen Notfall, der richtig behandelt wurde.
In diesem Sinne, achten Sie auf ihr Haustier und verlassen Sie sich im Zweifel lieber auf Ihre innere Stimme, als auf irgendetwas anderes.
Roland Grünewald